Was eine Amazon-Integration in Odoo leisten muss
Amazon ist für viele Händler der umsatzstärkste Kanal und zugleich der mit den meisten Regeln. Bestellungen kommen rund um die Uhr, Amazon erwartet Sendungsnummern und Rechnungen innerhalb kurzer Fristen, und die Auszahlung kommt in der Regel alle 14 Tage als Sammelbetrag. Wer das in Seller Central von Hand erledigt, tippt Aufträge ab und sortiert Berichte.
Eine Integration verbindet Odoo direkt mit Amazons offizieller Schnittstelle, der Selling Partner API (SP-API). Sie hat die ältere MWS-Schnittstelle abgelöst und deckt Bestellungen, Feeds, Berichte und Finanzdaten ab. Daraus ergeben sich fünf Aufgaben: Bestellungen holen, Bestand und Preise senden, Sendungsnummern melden, Rechnungen hochladen und Auszahlungen verbuchen.
Eine Amazon-Bestellung sollte in Odoo denselben Weg gehen wie jede andere: Auftrag, Lieferung, Rechnung, Zahlung. So bleibt Ihr Team bei einer Arbeitsweise.
Zwei Wege: SP-API-Connector oder Enterprise-Brücke
Für Odoo gibt es zwei Module. Der SP-API-Connector spricht direkt mit Amazon und läuft auf Odoo Community und Enterprise. Die Enterprise-Brücke setzt auf Odoos eingebautem Amazon-Connector auf, der nur in Enterprise enthalten ist, und bringt dessen Aufträge in dasselbe Dashboard und Sync-Protokoll wie alle anderen Kanäle. Beide lassen sich parallel betreiben.
| Merkmal | SP-API-Connector | Enterprise-Brücke |
|---|---|---|
| Odoo-Version | Community und Enterprise | Nur Enterprise mit Amazon-Connector |
| Zugangsdaten | Eigene SP-API-App in Seller Central | Das in Enterprise verknüpfte Konto, keine eigenen Schlüssel |
| Bestellimport | Direkt über die SP-API | Durch Odoos Amazon-Connector, die Brücke ordnet zu |
| Preise senden | Ja, je SKU | Nein, Preise pflegen Sie in Seller Central |
| Bestand senden | Ja, für bestehende Angebote | Ja, nur für Eigenversand |
| Sendungsnummern | Einschaltbar | Sendet Enterprise selbst, nicht abschaltbar |
| Rechnungs-Upload und Retouren | Ja | Ja |
| Preis netto | 449 € | 199 € |
Wie Bestellungen von Amazon nach Odoo kommen
Der Connector holt neue Bestellungen alle 15 Minuten, einstellbar von jeder Minute bis täglich. Neue Bestellungen werden drei Tage rückblickend geholt, der Statusabgleich reicht 14 Tage zurück. Bestellungen im Status „Pending“ warten, bis Amazon die Zahlung bestätigt hat. Ältere Bestellungen lassen sich mit einem Assistenten ab einem Datum nachladen.
Versand durch Amazon (FBA) und Eigenversand (FBM) werden automatisch erkannt. Eigenversand-Aufträge werden bestätigt und bekommen eine Lieferung, die Sie im Lager abarbeiten. FBA-Aufträge werden nur fakturiert, weil Amazon den Versand übernimmt; im Dashboard zählen sie als versendet. Je Amazon-Marktplatz legen Sie einen Kanal an, alle Marktplätze einer Region nutzen dieselben Zugangsdaten. Abgedeckt sind 13 Marktplätze in Europa und Nordamerika, von amazon.de bis amazon.com.mx.
Amazon liefert Bruttopreise. Der Kern rechnet sie über Ihre Produktsteuern in Nettopreise um und gleicht Versandkosten, Gebühren und Rabatte so aus, dass der Auftrag exakt dem vom Käufer bezahlten Betrag entspricht. Produkte werden über die Seller-SKU zugeordnet. Fehlt sie, landet die Position auf einem Platzhalterprodukt mit Vorschlag über EAN oder interne Referenz, und kein Auftrag bleibt blockiert.
Käuferadressen gibt Amazon nur an Anwendungen mit der eingeschränkten Rolle „Direct-to-Consumer Shipping“ heraus. Ohne diese Rolle werden Bestellungen ohne Adresse importiert, mit Hinweis im Protokoll. Beantragen Sie die Rolle deshalb vor dem Start in Seller Central.
Bestand, Preise und Sendungsnummern zurück an Amazon
Bestand und Preise gehen als Listings-Feed je SKU an Amazon. Gesendet wird die freie Menge im Kanal-Lager minus einem Sicherheitspuffer, nie unter null, oder eine feste Menge je Zuordnung. Derselbe Feed-Typ geht höchstens alle 20 Minuten raus, das Ergebnis wird je SKU auf Fehler geprüft. Ab Werk sind beide Schalter aus, damit die Anbindung am ersten Tag keine gepflegten Angebote überschreibt.
Bestand und Preis gelten nur für bestehende Angebote. Neue Angebote legt der Product Launcher an: als neues Produkt mit Amazons Produkttyp-Schema oder als reines Angebot auf eine bestehende ASIN, erkannt über die EAN. Variationsfamilien mit Eltern- und Kindartikeln deckt der Launcher nicht ab.
Nach dem Versand geht die Sendungsnummer als Versandbestätigung je Bestellung an Amazon, mit dem Zusteller: DHL, DPD, GLS, Hermes, UPS, FedEx, TNT und Deutsche Post werden erkannt, andere mit Klarnamen übergeben. Etiketten mit Amazons Konditionen kaufen Sie mit dem Modul Amazon Buy Shipping direkt aus der Lieferung.
Rechnungen, Retouren und Erstattungen
Gebuchte Rechnungen gehen als PDF zu Amazon, der Käufer sieht sie in seinem Konto. Dafür wählen Sie in Seller Central die Option „Ich lade meine Rechnungen selbst hoch“. Je Kanal stellen Sie ein, ob Rechnungen als Entwurf, gebucht oder gebucht und bezahlt entstehen. Jede Rechnung wird nur einmal gesendet.
Retouren erkennt das Modul über Amazons Retourenberichte, die höchstens alle sechs Stunden geholt werden, sobald eine Retouren-Regel aktiv ist. „ReturnReceived“ bei FBA und „ReturnClosed“ bei Eigenversand lösen Rücklieferung und Gutschrift nach Ihrer Regel aus; beantragte oder abgelehnte Retouren sind nur Information. Erstattet wird nicht aus Odoo heraus, Amazon erstattet den Käufer selbst. Das Modul erkennt die Erstattung und spiegelt sie als Gutschrift.
Meldet Amazon „Canceled“ oder „Unfulfillable“, stoppt der Auftrag in Odoo: Lieferung und Entwurfsrechnung werden abgebrochen, reservierter Bestand ist wieder frei, eine Notiz am Beleg sagt, warum.
Auszahlungen in der Buchhaltung
Das Settlement-Modul holt über die Finances API je Amazon-Abrechnungsgruppe eine Abrechnung mit Zeitraum und Auszahlungsdatum. Positionen sind Versendungen mit Umsatz und Gebühren, Erstattungen, A-bis-z-Garantie, Rückbuchungen, Servicegebühren, Sponsored Products, Anpassungen und einbehaltene Steuern. Der Rückblick reicht 90 Tage, unbekannte Ereignistypen werden gemeldet statt still verworfen.
Mit dem Modul Settlement Accounting wird aus jeder Abrechnung ein Buchungssatz gegen ein Verrechnungskonto, das Sie mit dem Bankeingang abstimmen. Umsatz und Auszahlung werden nie doppelt gebucht, und der Steuerberater bekommt Buchungen statt PDF-Stapel.
Was kostet die Amazon-Integration?
Alle Module sind Kaufpreise netto, einmalig je Odoo-Version, das erste Jahr Updates ist enthalten. Danach kostet der Update-Plan 25 % des Kaufpreises im Jahr und deckt Anpassungen ab, wenn Amazon die Schnittstelle ändert.
- Marktplatz-Kern: 249 €, einmal je Odoo-Instanz, Voraussetzung für jeden Kanal.
- Amazon SP-API Connector: 449 €, zusammen mit dem Kern 698 €.
- Amazon Enterprise-Brücke: 199 €, nur für Odoo Enterprise.
- Produkte anlegen: Launcher-Basis 199 € plus Amazon-Launcher 249 €.
- Auszahlungen: Settlement-Basis 149 €, Amazon Settlement 149 €, Settlement Accounting 199 €.
- Käufernachrichten: Support-Basis 149 € plus Amazon Customer Support 99 €.
- Amazon Buy Shipping: Basis 149 € plus Amazon-Modul 199 €.
- Paket Amazon komplett mit Kern, Connector, Launcher, Settlement, Käufernachrichten und Buy Shipping: 1.690 € statt 2.040 € einzeln.
Checkliste: Das brauchen Sie vor dem Start
Mit diesen Punkten geklärt ist der Amazon-Kanal in Odoo in der Regel an einem Tag angebunden. Auf Wunsch übernehmen wir die Einrichtung: Start mit einem Kanal, Versand, Druck und zwei Stunden Schulung ab 990 € netto.
- Ein Amazon-Verkäuferkonto im Tarif Professional.
- Eine eigene SP-API-App in Seller Central unter Apps & Services, Develop apps, mit Selbstautorisierung; daraus LWA Client ID, Client Secret, Refresh Token und Seller ID.
- Die eingeschränkte Rolle „Direct-to-Consumer Shipping“, wenn Sie Käuferadressen in Odoo brauchen.
- Die Einstellung „Ich lade meine Rechnungen selbst hoch“, wenn Rechnungen aus Odoo zu Amazon gehen sollen.
- Seller-SKUs, die zu Ihren Odoo-Produkten passen, und gepflegte EANs.
- Ein Verrechnungskonto in der Buchhaltung für die Amazon-Auszahlungen.
Dazu oft gefragt
Brauche ich Odoo Enterprise für die Amazon-Integration?
Nein. Der SP-API-Connector läuft auf Odoo Community und Enterprise und spricht direkt mit Amazon, ohne Zwischendienst. Nur die Enterprise-Brücke setzt Enterprise voraus, weil sie Odoos eingebauten Connector erweitert.
Funktioniert die Integration mit FBA?
Ja. FBA- und FBM-Bestellungen werden erkannt und getrennt gekennzeichnet. FBA-Aufträge werden nur fakturiert, weil Amazon versendet; Eigenversand-Aufträge bekommen eine Lieferung in Odoo. Retourenberichte werden für beide Versandarten geholt.
Gibt es eine Testumgebung für die Amazon-Anbindung?
Amazons Sandbox liefert nur feste Antworten und eignet sich nicht für eine Abnahme. Getestet wird deshalb am Live-Konto mit ausgeschalteten Sendeschaltern. Ab Werk sendet das Modul weder Bestand noch Preise noch Sendungsnummern, bis Sie den jeweiligen Schalter umlegen.
Wie kommen die Amazon-Auszahlungen in die Buchhaltung?
Das Settlement-Modul holt je Abrechnungsgruppe eine Abrechnung mit allen Positionen über die Finances API. Settlement Accounting erzeugt daraus einen Buchungssatz gegen ein Verrechnungskonto. Dieses Konto stimmen Sie mit der Bankauszahlung ab.
Kann ich Amazon-Käufernachrichten in Odoo beantworten?
Ja, mit dem Modul Amazon Customer Support. Amazon bietet keine Nachrichten-Schnittstelle, deshalb liest das Modul Ihr Support-Postfach über IMAP und antwortet über SMTP von der registrierten Adresse. Jede Nachricht wird ein Ticket mit Bestellbezug und 24-Stunden-Frist.
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